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Geschichte der St. Sebastianus Bruderschaft von 1463 Anrath e.V. Die Anfänge Die
Wurzeln unserer St. Sebastianus Bruderschaft reichen bekannterweise in
das 15. Jahrhundert zurück, obwohl die ersten Hinweise auf
Bruderschaften in der Pfarre Anrath noch weiter zurück reichen: "Die
kirchlichen, kommunalen und staatlichen Archive unserer früheren
Herrlichkeiten führten viele Überlieferungen und Zeugnisse über die
Bruderschaften in der Pfarre Anrath. So wurde die erste Marien
Bruderschaft in Anrath mit Urkunde vom 28.5.1307 vom Erzbischof Heinrich
II. von Virneburg zu Köln genehmigt. Meistens waren die Bruderschaften
kirchlich gebundene Vereinigungen mit religiösen und wohltätigen
Aufgaben, die ihren ideellen Mittelpunkt fast nur an einem Altar in der
Pfarrkirche besaßen. Vielfach waren es Stiftungen zur Verehrung eines
Heiligen. Die St.
Sebastianus Bruderschaft in Anrath wird urkundlich am Nikolaustag, den
6.12.1463 überliefert, da sich die Eheleute Hanna Leeten und Noel geb.
Beerk dem Pastor zu Anrath Johann von Bleek (1454 - 1482), den Brudern
und dem Vikar der Bruderschaft und des Heiligen St. Sebastianus
bekannten, einen rheinischen Gulden schuldig zu sein. Gleichzeitig wurde
mir dieser Urkunde überliefert. daß sich die Marien Bruderschaft mit
der St. Sebastianus Bruderschaft vereinigt hatte. Nach einer Urkunde vom
12.10.1506 unter Pastor Johannes Pusch (1498 - 1506) bestätigt sich
auch die St. Jakobus Bruderschaft mit einem Altar in der Pfarrkirche zu
Anrath. Die Vereinigung dieser Bruderschaft mit der St. Sebastianus
Bruderschaft kam zustande, da die Einkünfte der einzelnen Bruderschaften
zu gering waren, um den Unterhalt des Vikars zu sichern in der
Bedienung der Altäre. Eine andere Aufgabe war die Beteiligung an den
kirchlichen Umzügen, die Gottesdienste am eigenen Altar in der
Pfarrkirche wahrzunehmen, Spenden, Brot und Kleidung an Bedürftige zu
verteilen, das eigene Namensfest St. Sebastianus (20. Januar) und das
Pfarrpatronatsfest St. Johannes (Kirmes) feierlich zu gestalten und den
verstorbenen Brüdern und Armen das letzte Geleit zu geben." [1] S.11 Die
noch vorhandene älteste Ordnung der Bruderschaft (im heutigen
Vereinsrecht "Satzung" genannt) stammt aus dem Jahre 1657, deren Inhalt
vermutlich auch in früheren Zeiten Gültigkeit hatte. Am
17. Januar 1843 gab sich die Bruderschaft wieder eine neue Ordnung,
geschrieben von Peter Jakob Toups. Sie enthielt zwar keine wesentlichen
Änderungen, es fällt jedoch auf, daß der Name der Bruderschaft "De
Heiligen Sebastiany" geschrieben wird. Einige
Jahre später gab man sich zeitgleich mit der Gründung des Deutschen
Schützenbundes am 21. Dezember 1861 den modernen Namen
"Schützengesellschaft St. Sebastiani", womit man sich mehr Zuspruch aus
der Bürgerschaft und die Möglichkeit erhoffte, Schützenfeste nach alter
Tradition feiern zu können. Änderungen
an den Ordnungen gab es auch in den darauf folgenden Jahrzehnten immer
wieder. Dies ist zusammen mit den anderen Zeugnissen in Form des in
Besitz der Bruderschaft befindlichen alten Buches und Urkunden, die
unter anderem Namen der Brudermeister, Könige und Mitglieder enthalten,
Nachweis für den Fortbestand der Bruderschaft seit der oben erwähnten
ersten Urkunde bis zum heutigen Tage. Eine
weitere Parallele kann zwischen der Anfangszeit und heute festgestellt
werden: Während damals vorrangig durch Stiftungen (z.B. Land, das
verpachtet wurde oder Geld), naturelle Spenden oder per
testamentarischer Vererbung die notwendigen Mittel für die Erfüllung der
Aufgaben der Bruderschaft (Gottesdienste, Spenden, Brot und Kleidung
für Bedürftige, eigene Feste etc.) beschafft wurde, so sind es heute die
Mitgliedsbeiträge der Schützen, Anzeigen der Inserenten in unserer
Festschrift, Förderung durch die Stadt Wilich sowie Spenden etc. die uns
in die Lage versetzen, die stetig anwachsenden Kosten für das
Ausrichten unseres eigenen Schützenfestes und für die damit verbundenen
Traditionen und die Pflege des historischen Schützenbrauchtums tragen zu
können. Gute Zeiten - schlechte Zeiten Trotz
der offensichtlich stabilen finanziellen Situation in der Angangszeit
nach der Vereinigung der Bruderschaftdem gab es in den folgenden
Jahrhunderten immer wieder Zeiten, in denen entweder die Zeugnisse auf
Grund kriegerischer, ungeordneter Verhältnisse lückenhaft sind, so z.B.
im 16. Jahrhundert bei den Kriegen der Landesfürsten untereinander bzw.
Lutheraner gegen Katholiken, oder in denen das Bruderschaftsleben
weitestgehend zum Erliegen kam, weil die Bruderschaft verboten war, das
Eigentum der Bruderschaft eingezogen oder Teile davon verkauft werden
mußten. Zuletzt war dies im Vorfeld und während des 2. Weltkrieges der
Fall, als das Bruderschaftsleben von 1938 bis 1948 praktisch ruhte. Aber
auch in solch schweren Zeiten kümmerten sich engagierte Mitglieder bzw.
Freunde und Förderer der Bruderschaft darum, das Eigentum der
Bruderschaft und damit das historische Erbe soweit wie möglich zu
sichern und der Nachwelt zu erhalten. Zeugnisse vom Wirken der Bruderschaft Vom
Wirken der Bruderschaft über die Jahrhunderte hinweg gibt es zahlreiche
Spuren in Anrath, von denen hier einige vorgestellt werden sollen. Für
alle sichtbar steht heute gegenüber dem Friedhofseingang im
Kreuzungsdreieck Neersener Straße - Weberstraße am Marienbaum das St.
Sebastianus-Heiligenhäuschen. Bevor das im Bild gezeigte, bis heute
erhaltene Heiligenhäuschen im Jahre 1850 aufgebaut wurde, errichte die
Bruderschaft an dieser Stelle 1594 ein großes eisernes Wegekreuz, an dem
viele Jahre lang an Kirmes, nachdem der Vogel gefallen war, die Predigt
gehalten wurde. 1767 wurde
an dieser Stelle das erste Heiligenhäuschen errichtet, das erst 1850
dem heutigen Heiligenhäuschen Platz machen mußte. Aus den Büchern der
Bruderschaft geht hervor, dass sich die Bruderschaft, aber auch
Wohltäter und Nachbarn die ganze Zeit über, so auch heute, um die
Bepflanzung des Platzes und die Erhaltung des Heiligenhäuschens
gekümmert haben. Der
Kalvarienberg wurde im 1834 angelegten Friedhof, dem heutigen
Theodor-Heuss-Park, auf Initiative von Katharina Üllertz (1802-1864),
der Matthias Bruderschaft, dem Rosenkranzverein und der St. Sebastianus
Bruderschaft errichtet, nachdem am 2.4.1849 der Gründer des
Kirchenchores und der beliebte Pastor Johann Anton Steinwegs verstarb
und für ihn eine würdige Ruhestätte gestaltet werden sollte. Fertig
gestellt im Jahre 1850 wurde der Kalvarienberg Ruhestätte der Anrather
Pfarrer und Vikare von 1834 bis 1926. Das
Königssilber ist zweifellos das wichtigste und wertvollste Kleinod
einer Bruderschaft. Mehrfach ging das Königssilber der St. Sebastianus
Bruderschaft verloren, so z.B. 1642 während des Dreißigjährigen Krieges
(1618-1648), oder wurde verkauft, so z.B. 1835, als aus nicht bekannten
Gründen das über 200 Jahre alte Silber für insgesamt 61 Thaler und 7
Silbergroschen "an jedermann" verkauft wurde. Trotz
intensiver Nachforschungen bis um 1900 konnte nicht mehr festgestellt
werden, wo die einzelnen Königsschilder und Plaketten der Königskette
verblieben sind. Das abgebildete Königssilber aus dem Jahre 1825 von
König Henrich Weiger mit dem Motiv "Bauer mit Knabe und Pflug" ist die
einzige Königsplakette, die nach dem Verkauf des Königssilbers 1835
wieder in Besitz der Bruderschaft kam und bis heute Bestandteil des
Königssilbers ist. Zum
Schützenfest 1934 mit König Johannes Toups an der Spitze entschloß sich
die Bruderschaft nach 100 Jahren ohne Königssilber dazu, am 10.2.1934
eine neue doppelte silberne Königskette für 190 Reichsmark mit einer
schönen Silberplatte für 42 Reichsmark zu kaufen. Bei der
Generalversammlung am 18.2.1934 wurde die neue Königskette zur
Besichtigung von Hand zu Hand gereicht. Die
Königskette mit der silbernen Sebastianusplatte ist seit dem das
Kernstück des Königssilbers der St. Sebastianus Bruderschaft von 1463
Anrath e.V. Ein Jahr zuvor,
im Jahre 1933, verlieh Papst Pius XI. (Achille Ratti 1857-1939,
Pontifikat von 1922-1939) der Bruderschaft das ANNO SANTO EHRENKREUZ.
Dieses wertvolle Silberkreuz trägt seit dem die Königin als Zeichen der
Ehre, an der Seite des Königs die Bruderschaft repräsentieren zu dürfen. Leider
mußte die Bruderschaft damals unter dem Druck der Zeit am 23.1.1938
ihre Tätigkeit einstellen. Auf der General- und Schlußversammlung am
13.2.1938 wurde das Vermögen der Bruderschaft auf die Mitgleider zur
Aufbewahrung aufgeteilt. So war es möglich, dass
nach der Wiederbelebung der Bruderschaft 1948 und 1979 die wertvolle
Königskette und das Königinnenkreuz bis heute vom Königspaar der
Bruderschaft getragen werden können. Die Bruderschaft seit der Wiedergründung 1979 Der
erste Versuch zur Aktivierung des Schützenwesens in Anrath nach dem 2.
Weltkrieg begann 1948 und hatte mit den Schützenfesten 1949 (mit
Johannes Heisters als König an der Spitze) und 1950 (mit Peter Heines
als König an der Spitze) bereits die ersten Höhepunkte. Allerdings
konnte diese Pflege des heimatlichen Brauchtums in der Bürgerschaft
nicht gefestigt werden, so daß bereits zum 11.4.1955 aus mangelndem
Interesse die Tätigkeit der Bruderschaft wieder eingestellt wurde. "Nach
über 20jähriger Stagnation wurde auf Initiative von Paul Schulze am
24.9.1978 die St. Sebastianus Bruderschaft wieder aktiv ins Leben
gerufen. Paul Schulze, Hans Marx, Matthias Bayertz (Anm. d. A.: der in
der Zeit seit 1955 die Belange der Bruderschaft erfüllte, Verstorbenen
Mitgliedern die letzte Ehre erwies und die Archivalien der Bruderschaft
aufbewahrte), Peter Heines, Heinz Schlobben, Gottfried Commans,
Friedhelm Commans, Günter van der Lieck, Frieder Nöhles, Heinz
Westermann, Frank Westermann, Heinz Brockmann, Heinz Reiland und
Karl-Heinz Hilgers versammlten sich in der Gaststätte "Schwarzer Peter"
am Kirchplatz und wählten einen provisorischen Vorstand. ... Zur ersten
Generalversammlung am 4.3.1979 erschienen 30 Mitglieder. In den Vorstand
wurden gewählt Gottfried Commans, Peter Derksen, Franz Brockmanns,
Friedhelm Commans, Heinz Brockmanns und als Jugendbetreuer Harry Wiedow.
Paul Schulze, Peter Heines und Willi Ohligs ernannte man zu
Ehrenmitgliedern." [1], S.22 In
den folgenden Jahren wuchs die Bruderschaft sehr schnell auf über 200
Mitglieder an. Maßgeblich mit zu verdanken ist dies Peter Driesen, der
als "alter Schütze" zum Krönungsball 1979 der Bruderschaft wieder
beitrat und in der Folgezeit sehr viele neue Schützen warb. [2], S.29 Ausblick auf 2013: 550-Jahr-Feier Dieser
kurze Einblick zeigt das Auf und Ab unserer Bruderschaft in der nunmehr
544-jährigen Geschichte, kann jedoch auf Grund der Fülle verfügbarer
Informationen keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Seit der
letzten Wiedergründung im Jahre 1979 und dem raschen Wachstum in den
ersten Jahren kann man jetzt von einer kontinuierlichen Entwicklung
sprechen. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass zum nächsten Jubiläum im
Jahre 2013 unsere Bruderschaft als aktraktiver Magnet von den Anrather
Mitbürgern weiterhin anerkannt ist und ein zünftiges
Jubiläums-Schützenfest gefeiert werden kann. Autor: Dr. Thomas Münch Quelle: Festschrift zum 525-jährigen Jubiläum der St. Sebastianus Bruderschaft von 1463 Anrath e.V. von 1988 [1] Leitartikel "Die St. Sebastinaus Bruderschaft 1463 Anrath", S.11-23, Autor: Anton Engels [2] "Rückblick", S.29-30, Autor: Präsident Gottfried Commans
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